Der 60. Fortbildungskurs, seit 30 Jahren von Roland Einsiedel organisiert und dieses mal von rekordverdächtigen 230 Gästen angenommen, drehte sich um die Themen Klima, Veränderungen in der natürlichen Umwelt und ökologische Landwirtschaft.

Neben den Grußworten, u.a. von Wolfram Günther, und Danksagungen an den unermüdlichen Herrn Einsiedel, der auch schon wieder zu den nächsten Terminen am 5.03.2020 und 5.11.2020 einlud, waren es vor allem die Referenten, die dieses Thema von allen Seiten beleuchteten.

Herr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND Deutschland, hielt seine letzte öffentliche Rede. Er zeigte anschaulich, dass der Planet in mehreren Bereichen, z. B. genetische Vielfalt, Biogeochemie der Flüsse und Klimawandel an seiner Belastungsgrenze ist und fragte, warum nicht gehandelt wird.

Wir haben neben dem Klimawandel auch in der Biodiversität eine menschengemachte Krise. Besonders wirksam werden diese in der Land – und Forstwirtschaft. Er betrachtet den ökologischen Landbau als die zentrale Antwort auf die Klimakrise. Denn hier erfolgt eine effektive Bindung von CO ² im Boden.

Aber warum wird das nicht erkannt und umgesetzt?
Es fehlt an einem entsprechenden Leitbild. Nach wie vor stehen Konzentration und Leistungserhöhung mit industrieller Produktion als Grundprinzipien vorn an. Diese führen uns über die Auslagerung von Prozessen immer weiter von der Kreislaufwirtschaft weg und die Landwirte immer tiefer in Abhängigkeiten hinein.

Vor allem die Futtermittelindustrie ist eine globalisierte Erscheinung, die den Landwirten zusammen mit Hochleistungszüchtungen, z. B. bei der Milchkuh, und mit immer größeren Mengen an importiertem Kraftfutter für die versprochenen Leistungen abhängig macht. In der Gesellschaft wird diese Entwicklung kaum diskutiert.

Die Bauern sehen aufgrund der jahrzehntelang propagierten, aber falschen Weichenstellungen keinen Ausweg mehr. Am Ende dieser Entwicklung wird mehr an der Landwirtschaft als mit der Landwirtschaft verdient – mit gravierenden Folgen für die Bauern.

Ein Anfang ist die Verpflichtung, in öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen, Kindereinrichtungen, Kantinen, gesunde, schmackhafte Lebensmittel aus biologischer Produktion anzubieten.

Er appelierte an die Politik, Ziele, die angekündigt werden, einzuhalten, auch nicht zu verwässern – sonst nimmt die Demokratie Schaden. Und eine sozialere Ausrichtung, so dass gesunde Lebensmittel für alle bezahlbar sind. In diesem Sinne sollten Umwelt – u. Sozialbewegungen zusammen arbeiten.

B. Geier, Bioaktivist und Journalist, zeigte, dass es weltweit eine Bewegung hin zu Klima – und Artenschutz mit einer umweltverträglichen Landwirtschaft gibt. Als Beispiel nannte er den indischen Bundestaat Sikkim, dessen Regierung biologische Landwirtschaft per Gesetz für ihr Land beschlossen hat.

Die Akzeptanz für Pestizide schwindet weltweit rapide. Doch für ein Umschwenken, bei dem die Landwirte mitgenommen werden, brauchen wir eine Initiative ´Rettet die Bienen und die Bauern´. Fördern statt fordern kann ein Weg sein. Am Ende wird jedoch immer der Käufer entscheiden, wo die Entwicklung hingeht.

Prof. i.R. Dr. A. Haiger machte noch einmal bewusst, wie gefährlich in einer labilen Welt die Abhängikeit der Landwirtschaft und damit der Ernährungsgrundlage der einheimischen Bevölkerung von globalen Warenströmen, z. B. bei Futtermitteln, Benzin usw. ist. Eine krisenfeste Landwirtschaft ist nur aufbaubar, wenn wir wie in der ökologischen Landwirtschaft auf Dünger, Futtermittelimporte, Pflanzenschutzmittel verzichten und zu hohen Fleischkonsum reduzieren. Doch im Moment ist der Focus nach wie vor auf Spezialisierung, Intensivierung und Massentierhaltung gelegt.

Schon 10 – 15 % geändertes Kaufverhalten reicht, um neue Tendenzen am Markt zu setzen. Langfristig ist nur ökonomisch, was ökologsich ist. In der Natur ist alles mit allem verbunden und nichts überlebt in dem System, was nicht einen Nutzen hat – so einige kluge Sätze von ihm. 1 Tankfüllung bei einem SUV verbraucht 350 kg Mais – welcher Brot für 1 Jahr und 1 Person wäre.

Er plädierte vor allem für eine Grünlandhaltung, denn das Grünlandsystem ist völlig autochton und ergibt eine Vielzahl von Lebensmitteln. Für ihn haben Kuh und Gras Zukunft. Grünland speichert CO² und verhindert Erosion.

Prof. Dr. U. Niggli wies noch einmal darauf hin, dass die Ertragsunterschiede zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft schon signifikant sind. Sein Institut forscht an Mitteln und Wegen, diese Unterschiede zu verringern. Und wenn wir den Fleischkonsum und das Wegwerfen von Lebensmitteln verringern, wird die Versorgungssicherheit für die Zukunft noch steigen.

Sollte sich das Klimaerwärmungsszenario jedoch einstellen, wird es auch für die Ernährungssicherheit eng.

Einige Innovationen, die hier wirken würden, wären unter anderem neue Vermarktungswege, die Nutzung von traditionellem Wissen, Bildung einer hohen Bodenfruchtbarkeit und eine steigende Biodiversität.

Er fordert eine verbindliche Methode zur Nachhaltigkeitsbewertung der Produktion in landwirtschaftlichen Betrieben, da Nachhaltigkeit von vielen Faktoren abhängt. Dieses Bewertungsschema als Grundlage für die Förderung der Landwirtschaft mit Mitteln aus dem EU-Haushalt zu nutzen, hätte eine große Wrikung. Leider wurde sein Vorschlag, basierend auf den vom Insitut FIBL entwickelten SAFA-Richtlinien FAO  bei den entsprechenden Einrichtungen sofort abgelehnt.
Quelle:  www.fibl.org/de

Prof. Dr. em. Ulrich Köpke verortete die Landwirtschaft mittlerweile in einem sehr komplexen Gefelcht von variablen natürlichen und gesellschaftlichen Faktoren. Die natürlichen, z.T. wenig beeinflussbaren Faktoren und die Abhängigkeit von Jahreszeiten und Witterung unterscheidet sie gravierend von anderen Produktionszweigen.

Schon Alexander von Humboldt, so erwähnte er, hatte vor 250 Jahren einige Prämissen erkannt, die heute aktueller denn je sind.

Dazu zähen die Schöpfungsverantwortung, die Gefährdung der Natur in ihrer Komplexität durch den Menschen, eine breite Bodeneigentumsstreuung und gemeinwohlorientierte Bodennutzung.

Von alle dem sind wir meilenweit entfernt. Und deshalb brauchen wir das parteienübergreifende Umdenken, welches Wolfram Günther zu Beginn forderte. Doch auch davon scheinen wir meilenweit entfernt.