Seit 2013 29 Denkmale abgerissen, 36 Abrisse genehmigt, 4 weitere Anträge liegen vor
Wolfram Günther, MdL vom Oschatzer Abgeordntenbüro: Unwiederbringlicher Verlust an gebauter Kultur und Heimat
Dresden. Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September erklärt Wolfram Günther, Sprecher für Denkmalschutz der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:
„Im Landkreis Nordsachsen sind seit 2013 29 Kulturdenkmale abgerissen worden. Damit wurden seit dem Jahr 2000 knapp 200 Baudenkmale im Landkreis abgebrochen. Zusätzlich wurden seit 2005 229 Kulturdenkmale aus der Denkmalliste des Landes gestrichen und verloren damit ihren Schutzstatus.“ Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten an die Staatsregierung hervor.
„Die Größenordnung dieses unwiederbringlichen Verlusts an gebauter Kultur und Heimat ist erschreckend. Die Städte und Gemeinden im Landkreis Nordsachsen haben bereits ein gewaltiges Entwicklungspotenzial verloren. Der Landkreis Nordsachsen weist einen großen Reichtum an Bauzeugnissen vergangener Epochen auf, deren Bewahrung von hoher gesellschaftlicher Bedeutung ist. Die Anzahl der geschützten Kulturdenkmale im Landkreis belief sich zum 24. November 2014 auf nur noch 3.788. Doch der Abrisstrend ist ungebrochen.“
Vollständig verloren gingen unter anderem das ehemalige Gutshaus im Ortsteil Strelln in Mockrehna, die Konsum-Villa in Torgau, das Backhaus im Mügelner Ortsteil Schweta, die ehemalige Schmiede im Mügelner Ortsteil Querbitzsch, der Mühlenanlagenspeicher in Schkeuditz und Fachwerkhäuser in Dahlen und Wermsdorf.“
„Aktuell liegen im Landkreis Nordsachsen bereits 36 Genehmigungen für weitere Abrisse bzw. Teilabrisse von Kulturdenkmalen vor.
In Taucha betrifft dies z.B. die ehemalige Blaukreuztabelle, das Wirtschaftsgebäude des Pfarrhofes im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig, die ehemalige Gaststätte im Mockrehnaer Ortsteil Langenreichenbach, Wohngebäude u.a. in Schildau, Liebschützberg und Eilenburg, einen Dreiseithof in Laußig und verschiedene Scheunen, Schulen, Betriebsanlagen und Stallgebäude.“
Für vier weitere denkmalgeschützte Objekte im Kreisgebiet liegen Anträge auf Abriss vor. So ist unter anderem die Zukunft des letzten Gebäudes des „Roten Vorwerks“ in der Bahnhofstr. 1 in Oschatz, das Wohn- und Geschäftshaus in der Oschatzer Reithasstr.1, der ehemalige Reitstall in der Puschlinstr. in Torgau und das Wohnhaus in der Gartenstr. 13 in Bad Düben ungewiss.
Seit dem Jahr 2000 wurden im Landkreis Nordsachsen mehr als 4,5 Prozent der Kulturdenkmale abgerissen. Seit 2005 verloren weitere sechs Prozent ihren Denkmalstatus.
„In Sachsen befinden sich heute trotz der Rettung zehntausender Kulturdenkmale ganze Denkmalgruppen in einem dramatischen Zustand. Dies betrifft sowohl die Gruppe der Schlösser, Gutshäuser und ländlichen Anwesen als auch zunehmend die technischen Denkmale. Hier fehlt es an ausreichender finanzieller Förderung zum Erhalt“, kritisiert Wolfram Günther.
„Mangelnde finanzielle Unterstützung beim Denkmalschutz schadet auch der heimischen Wirtschaft. Es sind Tausende Handwerker, Architekten, Beschäftigte in Bauunternehmen, Restauratoren, die einen wichtigen Teil des Bauwirtschaftsgewerbes ausmachen. Jeder Euro an staatlicher Denkmalförderung zieht ein Mehrfaches an privaten Investitionen nach sich“, argumentiert er.
„Vor allem engagierte, private Denkmaleigentümer werden mangels ausreichender Förderung allein gelassen. Schon jetzt reichen die Zuschüsse nicht, um für wichtige Denkmale zumindest ein Minimum an Förderung bereitzustellen. Wenn aber weder saniert noch gesichert werden kann, drohen Verfall und Abriss. Diese Entwicklung muss dringend korrigiert werden. Sonst verschwinden immer mehr historische Bauten, wie Wohnstallhäuser, Bahnhofsgebäude oder alte Fabriken und Geschäftshäuser aus dem Ortsbild und letztlich auch aus unserem Gedächtnis“, erklärt Günther.
Kleine Anfrage Wolfram Günther: „Abriss von unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden im Landkreis Nordsachsen“ (Drs. 6/2400):
 
Kleine Anfrage Wolfram Günther „Aktuelle Anzahl der sächsischen Kulturdenkmale und Verlust an Kulturdenkmalen seit dem Jahr 2000“ (Drs. 6/274): http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=274&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=202