….Diskussion um den Erhalt von Denkmälern im Stadtgebiet Oschatz

….Oschatz. Das erhaltene Vorderhaus des Roten Vorwerks samt Mauerresten anderer Gebäude soll abgerissen werden. Anschließend möchte die Stadt das Grundstück von der städtischen Tochtergesellschaft Wohnstätten GmbH kaufen, und darauf eine Turnhalle und Parkplätze als Erweiterung des Schulcampus an der Bahnhofstraße errichten.

Mit diesem von der Sächsischen Landesdirektion abgesegneten Vorgehen wollen sich engagierte Denkmalschützer der Stadt, Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins und die Grünen nicht abfinden. Bei einer Podiumsdiskussion standen jetzt die Fragen im Raum, ob der Abriss noch verhindert werden kann und welche Möglichkeiten es gibt, künftig Denkmale teils oder in Gänze zu erhalten.

Für Wolfram Günther, denkmalpolitischer Sprecher und Abgeordneter der Grünen im Sächsischen Landtag, bedeutet eine Abrissgenehmigung nicht automatisch, dass das Gebäude auch sofort verschwindet. „Vielmehr sollte die Stadt Oschatz, gemeinsam mit dem zuständigen Landesamt und engagierten Bürgern, Stadträten, Gesellschaften und anderen Partnern, nach gemeinsamen, kreativen Alternativen suchen. Beispielsweise sollte geprüft werden, ob die verbleibenden Gebäude in die für den Schulbetrieb notwendigen technischen Abläufe eingebunden werden können“, regte er an.

Kreative Lösungen hat in den vergangenen Jahren der private Denkmalseigentümer Frank Pastille gefunden. In den zurückliegenden 20 Jahren hat er zwischen Glauchau, Wurzen, Wermsdorf und Roßwein 29 denkmalgeschützte Objekte vor de Verfall bewahrt – in der Regel durch Teilsanierungen. „Anfangs musste ich noch richtig Geld dafür hinlegen, die letzten wurden mir geschenkt“, sagt er. Seine Erfahrung ist, dass man viel erreichen könne, wenn man die Denkmalbehörde als Partner – nicht aber als Gegner – sieht.

Steffen Delang, Referatsleiter im Landesamt für Denkmalpflege, erinnert an den bereits vor über zehn Jahren erfolgten Teilabriss der bedeutendsten Grundstücksanlage der alten Oschatzer Vorstädte und spricht von einer „vertanen Chance“. Zwar sei die Wohnstätten GmbH ihrer Pflicht der Sicherung und Erhaltung nachgekommen. Für einen Aufwertung könne es nun allerdings zu spät sein. Dem widersprach Uta Schmidt (Grüne): „Der Kauf soll 2019 erfolgen. Bis zum Bau der Turnhalle werden aufgrund der Finanzierung noch einmal fünf bis sechs Jahre vergehen. Diese Zeit gilt es, zu nutzen.“

Marc Etzold, Geschäftsführer der Oschatzer Wohnstätten GmbH, verteidigte die Entscheidung. So sei für sein Unternehmen vorrangig, in denkmalgeschützten Objekten eine wirtschaftlich vertretbare Nutzung als Wohnfläche zu erreichen. Das sei im Falle des Roten Vorwerks jedoch nicht möglich gewesen. „Nicht minder wichtig ist uns eine attraktive Stadtentwicklung. Hier bemühen wir uns nach Kräften. Und dazu gehören bezahlbare Wohnungen ebenso wie optimale Lernbedingungen und kurze Wege für Familien und Schulkinder“, sagte er.

Die Besucher der Diskussion formulierten größtenteils den Wunsch danach, das Image der Denkmalpflege aufzupolieren. Herbert Berndt, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, erinnerte an die Denkmalsliste, auf der jeder einsehen könne, welche Gebäude diesen Status haben. Ergänzend dazu empfahl er die Übersicht aller Innenstadtgebäude, die, digitalisiert, bei ihm, im Archiv und dem Museum eingesehen werden kann.

Joachim Zehme warf als Idee die Gründung eines Vereins zum Schutz und Erhalt von Denkmalen in die Runde – schließlich habe man kompetente Partner wie Gert Jubisch oder den ebenfalls in solchen Fragen versierten Wermsdorfer Manfred John in greifbarer Nähe.

Weiter auf Kommentar

Lobbyarbeit vor der Abrissbirne nötig
bgf

Das Rote Vorwerk ist für die Oschatzer Stadtgeschichte so bedeutend wie das Vogtshaus. Nur liegt das erste versteckt an einer viel befahrenen Kreuzung außerhalb des Zentrums, das zweite mitten in der sanierten Innenstadt als Perle gegenüber der Stadtkirche – das sagt viel über den Stellenwert der Denkmale in Oschatz aus. Objekte wie das Rote Vorwerk brauchen eine Lobby, bevor die Abrissbirne kommt – und nicht erst zehn oder 15 Jahre, nachdem wesentliche Teile des Gebäudekomplexes verschwunden sind. Der Aufschrei der Denkmalpfleger ist berechtigt, aber er kommt zu spät. Aus diesem Fehler zu lernen, dafür ist es noch nicht zu spät. Nicht in jedem Fall stehen dem Erhalt historisch bedeutender Gemäuer so wichtige Ziele wie Schul- und Stadtentwicklung entgegen. Das Forum der Grünen sollte als Anstoß verstanden werden, damit beim nächsten maroden Denkmal in Oschatz nicht wieder jahrelang nur gemahnt, gemeckert und geplant, sondern gleich gehandelt wird. Beim Roten Vorwerk ist leider Zeit verloren gegangen, die man in kreative Alternativlösungen – etwa eines Privatinvestors – hätte investieren können.

oschatz.redaktion@lvz.de