2 Monate nach der ersten Veranstaltung zu dem Thema war die weltpolitische Situation schon wieder eine ganz andere – und nicht unbedingt besser.

Doch den Interssierten, die gekommen waren, war bewusst, dass wir uns der Flüchtlingssituation stellen müssen und nicht gegen sie ankämpfen. Die Frage war eher, wie. Mit gegenseitiger Akzeptanz, mit Kontakten, mit Sprache, da war man sich einig.

Ein Ausspruch des Dalai Lama, das alle Religionen ein gewisses Gewaltpotential in sich bergen und wir deshalb die gemeinsamen menschlichen Grundwerte fördern und in den Mittelpunkt unseres Handelns zu setzen haben – die menschliche Würde – bestärkte das Ansinnen. Auch wenn es schwierig für uns ist, die vielen verschiedenen Glaubensströmungen einzuordnen, die Dr. Steinmann im Kontex mit dem Islam benannte.

Die Grundlagen der Radikalisierungen sind nicht im Islam zu suchen. Als Europäer im Zusammenhang mit den USA haben wir keinen unerheblichen Anteil an der Entwicklung im nordafrikaischen – asiatischen Raum. Schon die Kolonialisierung vieler dieser Staaten hat  ´Wut´ erzeugt. Damals wurden durch die Europäer auch willkürlich Grenzen gezogen – z. B. durch Kurdistan, das heute in Irak, Iran, Syrien und der Türkei liegt.   Die Kriegseinsätze der letzten 40 Jahre haben dieses Gefühl der Einmischung und der Ungerechtigkeit noch verstärkt.

Die Grundeinstellung, den Menschen als solchen anzunehmen, ist eine Lösung. Sicher ist es gut, zu wissen, in welcher Glaubenswelt sich ein Mensch bewegt. Aber im Umgang mit uns ist es wichtig, ihn als Menschen zu erkennen – mit Grundwerten, die auch uns innewohnen.

Außerdem sollten wir uns immer wieder in ihre Lage versetzen – und Geduld haben. Noch vor gut 40 Jahren waren z. B. die Rollenverhältnisse auch bei uns sehr patriarchalisch geprägt – eine Frau in den alten Bundesländern musste damals ihren Mann um sein schriftliches Einverständnis bitten, um arbeiten zu dürfen. Und wie sehr haben sich  Männer gegen eine größere Unabhängigkeit ihrer Frauen gesträubt!  Auch das hatte mit einem klaren Rollenbild zu tun. Es beeinflusst in starkem Maße das Selbstwertgefühl der Männer – und das seit Jahrunderten bis Jahrtausenden. So einfach ist es nicht umzukehren. Welche Leistungen die europäischen Frauen in der Zeit des Umbruachs da erbracht haben, ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Wir stehen vor großen Umbrüchen – einer Zeitenwende. Die neue Medien tragen nicht unerheblich dazu bei. Es liegt an uns, die Mit-Menschlichkeit zu retten.