Gisela Kallenbach, Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, äußert sich zu dem Artikel mit Befremden: „Der Landrat wehrt sich gegen die Kritik aus Dresden. Dazu kann ich nur sagen: Getroffene Hunde bellen. Wenn der Landkreis bei der Versorgung der Flüchtlinge nur halb so energisch wäre wie bei der verbalen Abwehr der Kritik, könnte man beruhigt sein.“

„Nach 15 Betriebsjahren wird das Asylbewerberheim in Spröda endlich saniert. Der Landrat hätte gern gesehen, dass die überfällige Instandsetzung der windschlüpfrigen Baracken im Heim-TÜV besonders gewürdigt wird. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn man sich das Heim vor Ort ansieht.

Zweimal hatte die Abgeordnete in den letzten zwei Jahren das Heim in Spröda besucht, weil sich die Heimbewohner hilfesuchend an sie gewandt haben. Tatsächlich sind im Laufe eines Jahres einige bauliche Maßnahmen umgesetzt, ist mancher Missstand abgebaut worden. Was bleibt, ist die grundsätzliche Frage, wieso ein Heim in einer so isolierten Lage betrieben wird.

„Mit der im Artikel erwähnten guten infrastrukturellen Anbindung kann das Heim in  Spröda nicht gemeint sein. Allein um zu den Ämtern und Ärzten in Delitzsch zu gelangen, haben die Heimbewohner eine Busfahrt auf eigene Kosten anzutreten.“

„Hätte sich der Landrat das Heim selbst angesehen, wäre ihm seine populistische Anspielung auf den Hotelstandard selbst als absurd vorgekommen. Die Bewohner leben auf engstem Raum, ohne die geringste Privatsphäre. Dass die Zahl der Kochgelegenheiten der wachsenden Zahl der Bewohner angepasst wurde ist meinem Eindruck nach nicht richtig. Zudem können die Bewohner nicht einmal ihre Kochtöpfe in den Küchen abstellen sondern müssen diese in ihren Schränken im Zimmer aufbewahren. In den inzwischen sanierten Duschräumen gab es keinerlei Kleiderhaken für die Wäsche oder Handtücher, keinen Stuhl zum Ablegen der Kleider. Mit ein bisschen gutem Willen würden sich viele kleine Veränderungen einrichten lassen.“

„Die Schulanlaufberatung im Landkreis ist eine Pflichtleistung des Staates gegenüber den Asylbewerbern im Schulalter. Wieso gab es diese eigentlich nicht permanent, sondern wurde erst auf Drängen der Aufsichtsbehörden eingeführt?“

„Es gibt fürwahr einiges zu tun im Landkreis Nordsachsen um wenigstens die Standards in der Versorgung von Asylbewerbern zu gewährleisten. Ich hoffe, dass die nächste „Tour de Gillo“ nicht erst in ferner Zukunft in Nordsachsen Station macht und dann auch positive Veränderungen zu sehen sind.“

„Die Grünen des Kreisverbandes Nordsachsen sowie der Ausländerrat Dresden e.V. haben, seit dem Beginn der Fokussierung auf die zentrale Unterbringung der Asylbewerber im Landkreis Nordsachsen, den Standort kritisiert. Der Standort des Heimes in Spröda ist aus unserer Sicht zu dezentral. Die Kreisverwaltung  und viele Mitglieder des Sozialausschusses des Kreistages haben diese Bedenken immer ignoriert. Der TÜV des Sächsischen Ausländerbeauftragten Gillos ist, ist eine erneute Aufforderung zum Handeln. Asylbewerber sind Gäste in Nordsachsen, leider wird ihnen wenig Gastfreundlichkeit entgegen gebracht“, schätzt die Kreissprecherin  Barbara Scheller die Lage ein.

(Quelle: Pressemitteilung 6.1.2012 – unter Bezug auf den Artikel in der Delitzscher Ausgabe der LVZ vom 6.1.2012 „Landkreis wehrt sich gegen Bewertung – Landrat und Dezernentin widersprechen Gillos Tüv des Asylbewerberheimes Spröda“)

Fakten zur Jugendarbeit liegen auf dem Tisch – Nordsachsen am meisten gefährdet

Erstmalig luden die Oppositionsparteien am 12. August zu einer Anhörung in den Sächsischen Landtag ein.

Als Gast dieser ungewöhnlichen Veranstaltung berichtet Barbara Scheller: „Hintergrund der Anhörungen sind die geplanten Kürzungen der Jugendsozialarbeit im Doppelhaushaltsjahr 2011/12. Normalerweise werden zu solchen Themen Experten im Sozialausschuss des Landtags gehört. Dies wurde von CDU und FDP abgewiegelt.“

Deshalb hörte nun die Opposition, was die Sozialexperten der freien Träger berichteten. Am Beispiel der bereits schon in diesem Jahr wirksamen Kürzungen der Landeszuweisungen, kann man erkennen, was weitere Kürzungen in den kommenden Jahren zur Folge haben. In Sachsen könnte es weiße Flecken auf der Landkarte der sächsischen Jugend-Sozialarbeit geben.

Gemeinden unter 5000 Einwohner werden in Zukunft wohl kaum noch qualifizierte Jugendsozialarbeiter in ihren Ortsteilen zu sehen bekommen. Die Fachleute sahen sehr kritisch, dass die Sächsische Regierung zunehmend die Kosten der Jugendsozialarbeit auf die Landkreise und Kommunen abwälzen möchte. Auch die Absenkung der Altersgrenze für die Jugend- und Sozialarbeit von 27 auf 21Jahre ist ein Schritt in die falsche Richtung. Die Experten rieten auch von der Sparidee ab offene Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und mobile Jugendarbeit zu Einsparungszwecken zu zusammenzuführen. Einige Experten hoffen noch auf ausgleichende stärkre Unterstützung der Städte und Gemeinden.

„Wenn man den Landkreis Nordsachsen aus Sicht der allgemeinen Entwicklung Jugendsozialarbeit in Sachsen betrachtet, schwebt das Damoklesschwert der Haushaltkonsolidierung über uns. Entschieden wird in Dresden und damit liegt es nicht mehr in der Hand unserer Kommunalpolitiker wie viel Jugendarbeit wir uns noch leisten dürfen. Die angekündigte Erhöhung der Kreisumlage, die bei kleinen Gemeinden etwa 40 000€ Mehrabgaben „bescheren“ kann, könnte zur Folge haben, dass gerade diese Summe zur Finanzierung einer Fachkraft fehlt, die das Land nicht mehr fördert“, gibt Barbara Scheller zu bedenken.

Dank der Initiative von Grünen, Linken und SPD liegen die Fakten auf dem Tisch. CDU und FDP können nicht die Augen davor verschließen, dass Sparen an der Jugend der falsche Weg ist.

Quelle: Pressemitteilung Grüne KV Nordsachsen  Nr. 8- 13082010