Für alle, die sich noch einmal informieren wollen, gibt es hier eine letzte Möglichkeit im Landkreis:

Am 31. August 2019, 14.00 – 20.00 Uhr findet auf dem Rossplatz Delitzsch das
Wahlkampfabschluss-Fest „Wähle mit Herz“
mit DJ Enrico Zermann, ( Antifaltenrock) Theater mit Clown Herr Balzer (Berlin), kreative Mitmachaktionen, Life Musik mit der Band Stilbruch.

Höhepunkt ist ein Townhallgespräch mit Robert Habeck (Bundesvorstizender von BÜNDNIS 90 /DIE GRÜNEN ), Katja Meier und Wolfram Günther (Spitzenkandidaten der Grünen im Landtagswahlkampf SAchsen).

Es moderiert die Direktkandidatin für Nordsachsen 1 , Anna Kaleri (bürgerl. Name A. Schneider)

Sehr geehrte Wählerinnen und Wähler im Lk Nordsachsen,

wir hoffen, wir konnten Sie mit Konzepten, Informationen, Engagement und Freundlichkeit überzeugen, den Grünen Ihre Stimme zu geben!

DER KREISVERBAND VON BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN

Trotz glühender Hitze versammelten sich am 26. August 2019, 6 Tage vor der Landtagswahl in Sachsen, interessierte Menschen, vor allem junge, auf dem Marktplatz in Schkeuditz, um sich über das Thema Energiewende in Sachsen zu informieren.

Anna Kaleri, grüne Direktkandidatin in Nordsachsen 1, organisierte eine „Straßen-Uni“ und sorgte mit der Einladung verschiedener Experten in den Bereichen der Energiebranche und Energiepolitik für die notwendige fachliche Expertise.

Zu ihren Gästen zählten Dr. Gerd Lippold, Diplomphysiker und energiepolitischer Sprecher für Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, Prof. Dr.-Ing. Uwe Jung, der in der Kraftwerkstechnik und Energiewirtschaft tätig ist sowie Dr. Christoph Gerhards, der als Diplomphysiker in der Entwicklung von Energiekonzepten arbeitet.

Trotz der Komplexität der Frage einer funktionierenden, sozial verträglichen Energiewende, wurden detaillierte Fragen zur technischen Realisierbarkeit sowie der ökonomischen Gestaltungsmöglichkeiten gestellt und diskutiert.

Den Einstieg in die Veranstaltung bildete die Frage über die Zukunft des sächsischen Kohlekraftwerks Lippendorf und die damit verbundene, übergreifende Frage nach der Effizienz von Kohleverstromung.

Da klimaschädliche Emissionen in Deutschland aktuell nicht nach realen Kosten bepreist sind, war auch die Befürwortung einer Bepreisung beziehungsweise Besteuerung des klimaschädlichen Gases CO2 Gegenstand der Diskussion. Hierbei wurde ein Einstiegs-Preis von 40 Euro für jede ausgestoßene Tonne CO2 diskutiert, wie er etwa in einem Sofortprogramm von Bündnis 90/Die Grünen auf Bundesebene vorgeschlagen wird.

Trotz aller Ideen, die auf nationaler Ebene zu realisieren wären, wurde die europäische Dimension nicht ausgespart und die Möglichkeit eines funktionierenden, branchenübergreifenden europäischen Emissionshandels diskutiert.

Die Gäste erklärten, welche vergangenen industrie- und energiepolitischen Entscheidungen der Bundes-, aber auch Landespolitik eine schnelle und vor allem funktionierende Energiewende hemmten. Hierbei wurden klare Versäumnisse der Politik der Bundesrepublik hervorgehoben, wie etwa die fatale Benachteiligung von Pumpspeicherkraftwerken und anderen Speicherlösungen durch die heutigen Regelungen zu Umlagen und Entgelten.

Gleichzeitig wurde aber auch die Notwendigkeit von Investitionen in den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs betont, die in der Vergangenheit zugunsten des Straßenverkehrs vernachlässigt wurden.

Eine interessierte Frage aus dem Publikum hinsichtlich der Zukunft von Gaskraftwerken wurde dahingehend beantwortet, dass Gaskraftwerke sicher keine Zukunftstechnologie sind, jedoch eine emissionsarme Brücke in das System mit 100% Erneuerbaren Energien bilden können. Das heute fossile Gas kann Schritt für Schritt dekarbonisiert werden, indem es durch Wasserstoff und andere Gase auf Basis erneuerbarer Energien ersetzt wird. Die heutige Gasinfrastruktur lässt sich auch dann noch in großen Teilen nutzen.

Auch das Thema der Elektromobilität war, trotz voranschreitender Zeit und hoher Außentemperaturen, Gegenstand des Interesses der Menschen.

Aufgrund des Verbrauchs an konflikträchtigen Ressourcen ist hier noch viel Innovation und transparente, faire Beschaffung notwendig sowie eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie für Rohstoffkreisläufe.

Während die industriepolitische Dimension der E-Mobilität in Sachsen von großer Bedeutung ist, macht die entschlossene Unterstützung der Markteinführung in Sachsen aus klimapolitischen Erwägungen erst Sinn, wenn auch der Strommix in Sachsen auf einem verbindlichen Kohleausstiegspfad dekarbonisiert wird.

Am 31. August 2019, 14.00 – 20.00 Uhr findet auf dem Rossplatz Delitzsch das Wahlkampfabschluss-Fest „Wähle mit Herz“ statt. Freuen Sie sich auf DJ Enrico Zermann (Antifaltenrock), Theater mit Clown Herr Balzer (Berlin), Mitmachaktionen, Life Musik mit der Band Stilbruch und 17.30 Uhr Townhall-Gespräch mit Robert Habeck (Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Katja Meier und Wolfram Günther (Spitzenkandidierende der sächsischen Grünen).

Es moderiert die Direktkandidatin für Nordsachsen 1, Anna Kaleri (bürgerl. Anna Schneider).

Am Dienstag trafen sich in Schenkenberg bei Delitzsch Menschen, die sich für Dorfentwicklung von unten interessieren.
Die grüne Direktkandidatin für Nordsachsen 1, Anna Kaleri, lud ein zu einem Abend unter dem Motto „Unser Dorf ganz lebenswert“.
Gesprächspartner*innen waren der um Dorfentwicklung verdiente Pfarrer Matthias Taatz und die anwesenden Bürgerinnen und Bürger.
Es gab angeregten Austausch zu den Fragen, was einen Ort lebenswert macht und hält (sehr oft wurde Ruhe genaant und nachbarschaftliche Verbindung) und was wir selbst dazu beitragen können. Einen Ansatz bietet der Online Kurs „Unser Dorf – wir bleiben hier“. Der kostenlose, auf 6 Wochen ausgerichtete Onlinekurs (DorfMOOC) wurde von der Fachstelle Zweite Lebenshälte der evangelischen Landeskirche Kurhessen erstellt. Ein verglichbares Angebot ist an der Volkshochschule Bautzen in Entwicklung.
Sind für Seniorinnen und Senioren z.B. Einkaufsmöglichkeiten vor Ort wichtig, so wurde im Gespräch auch betont, dass Zuzug junger Familien durch ortsnahe Kindergärten und Arbeit in regionaler Wertschöpfung unterstützt wird.
Es wurden Projekte vorgestellt wie die Baumelbank in Eifa, die Dorfschmiede Freienseen und das nachhaltig entwickelte Dorf Nebelschütz.
Als Schenkenberger Projekte wurde die Pfarrscheune als Ort der Kultur und Kristallisationspunkt für Regionalentwicklung sowie der geplante Dorfladen eingebracht.
Aus grüner Perspektive freut sich Anna Kaleri besonders über die Idee, einen Wald anzulegen und möchte gerne den ersten gepflanzten Baum begießen.

Am letzten Freitagabend fand der erste grüne Stammtisch in Torgau von Bündnis90/Die Grünen statt. Zu Gast war die neue sächsische grüne Europaabgeordnete Anna Cavazzini.

Sie berichtete über ihre ersten Erfahrungen in Brüssel und Straßburg. Das größte Thema war in den ersten Monaten nach der Europawahl die Wahl des/der neuen Kommissionspräsident*in vom Europaparlament auf Vorschlag des Europäischen Rates – der Staats-und Regierungschefs der EU. Eigentlich war es dem EU-Parlament wichtig und dies sagten eigentlich alle EP-Kandidat*innen vor der Wahl, dass Kommissionspräsident*in nur ein/e Spitzenkandidat*in bei der Europawahl werden sollte.

Leider gelang es dem Europaparlament nach der Europawahl aber nicht, sich auf eine/n Kandidat*in für den Kommissionspräsidentenposten zu einigen, da jede europäische Parteienfamilie an ihrer/m Spitzenkandidatin/en festhalten wollte. Daraufhin schlug der Europäische Rat Ursula von der Leyen für diesen Posten vor. Damit kam es zu einem interinstitutionellen Konflikt zwischen Rat und Parlament, da Frau von der Leyen ja keine Spitzenkandidatin bei der Europawahl war.

Diese Schwächung des Europaparlaments sowie die Tatsache, dass von der Leyen keinerlei konkrete Zugeständnisse zu grünen Ideen machte, war das Motiv, warum die grüne Europafraktion gegen von der Leyen stimmte, berichtete Frau Cavazzini.

Nach ihrem Bericht aus dem Europaparlament wurde bei dem Stammtisch auch über die politische Stimmung in Torgau vor der Landtagswahl gesprochen.

Der Austausch von den wenigen, schon lange in Torgau tätigen Grünen, neu Hinzugekommenen und einfach nur an grüner Politik Interessierten soll zukünftig in Form weiterer grüner Stammtische in Torgau stattfinden, um sich mit prominenten Gästen über aktuelle Politik auszutauschen.

Wer Interesse hat, in den Verteiler des grünen Stammtisches in Torgau aufgenommen zu werden, schickt einfach eine Email an info@gruene-tdo.info.

 Holger Haugk, Torgau

Schenkenberg: 27. August 2019, 19.00 Uhr, Pfarrscheune Schenkenberg
Diskussion „Unser Dorf ganz lebenswert – Ansätze zur Dorfentwicklung von unten“
u.a. mit einem Grußwort von Annegret Zander (Entwicklerin des DorfMOOC, ev. Landeskirche Kurhessen), Pfarrer Matthias Taatz (Delitzscher Land e.V.), Moderation: Anna Kaleri

Delitzsch: 28. August 2019, 19.00 Uhr, Genossenschaftsmuseum
Diskussion „Sanfter Tourismus als Chance
u.a. mit Heike König (Grüner Ring Leipzig), Michael Berninger (ADFC Sachsen Landesvorstand und Tourismussprecher), Moderation: Anna Kaleri

Delitzsch: 31. August 2019, 14.00 – 20.00 Uhr, Rossplatz
Wahlkampfabschluss-Fest „Wähle mit Herz“
DJ, Clown, kreative Mitmachaktionen, Life Musik

Quelle Foto:  Christian Kunze
Garten-Party mit dem Grünen-Chef: Robert Habeck liest und pflanzt Baum
Schriftsteller spricht in Oschatz über emotionalisierte Debatten, soziale Medien, Sprachverrohung und Populismus

Oschatz. Grüne Tradition im E-Werk: Im Herbst 2001 pflanzte die damalige Umweltministerin Renate Künast eine Linde, am Donnerstagabend pflanzte Robert Habeck einen Zierapfel. Der Bundesvorsitzende der Grünen las auf Einladung des soziokulturellen Zentrums und des Grünen-Kreisverbandes aus seinem jüngsten Buch „Wer wir sein könnten – Warum unsere Demokratie eine offene und vielfältige Sprache braucht“ – und gut 70 Menschen kamen, um zuzuhören.

Offene und vielfältige Sprache brauche es, so der Autor, um „aggressiven, rohen und brutalen“ Tönen im Diskurs etwas entgegen zu setzen. Mit dem Erstarken rassistischer und extremistischer Positionen sei die von der Kanzlerin beschworene Alternativlosigkeit vorbei – und zwar für jene, die dem Rechtsruck etwas entgegensetzen wollen, so Habeck.

Eine der Hauptursachen für die Verrohung der Diskussionskultur sieht Habeck in den sozialen Medien. „Wir nutzen diese inzwischen alltäglich, so wie wir Straßen nutzen, um von A nach B zu kommen. Dabei vergessen wir allerdings, dass es sich bei Facebook, Instagram, Twitter und Co. nicht um Infrastruktur handelt, sondern um profitorientierte Unternehmen. Und diese handeln mit unseren Daten.“

Wichtigste Währung im Netz, so der 49-Jährige, seien Emotionen. „Jedes Gefühl, das im digitalen Raum transportiert wird, erfährt Reaktionen. Und negative Emotionen lösen die stärksten Reaktionen aus.“ Wie Emotionen aus der Realität in das Virtuelle und von dort wieder auf Straßen und Plätze der Republik schwappen, könne man seit den Ereignissen in Folge der Tötung des Deutsch-Kubaners Daniel H. in Chemnitz vergangenen Sommer sehen. Die verbalen Entgleisungen einiger Politiker infolge dessen hätten ihn motiviert, das Buch zu schreiben, so der Grünen-Chef.

„Sprache ist die eigentliche Handlung der Politik“, schreibt Habeck in seinem Buch. Im Gespräch mit den Oschatzern knüpfte er dort an und sprach einerseits von „Fehlern“, unbeabsichtigten Äußerungen also, die über das Ziel hinaus schießen und damit unerwünscht Aufmerksamkeit erregen und andererseits von Worten, die bewusst formuliert sind, um Aufmerksamkeit zu erzeugen – und Tabus zu streifen oder gar brechen. Als bewusste Provokation seiner eigenen Partei nannte er die Formulierung „Frankenstein-Pflanzen“ für die Anwendung gentechnisch veränderten Saatgutes, seitens der AfD gehöre „Messer-Migration“ zu den bekanntesten Wendungen.

Polarisieren, Spalten, die Grenzen des Sagbaren immer weiter verschieben – damit gelänge es rechtsgerichteten Kräften in Deutschland, Europa und weltweit, nicht nur Stimmung zu erzeugen, sondern auch Wähler zu mobilisieren. Das Internet mit seinen Plattformen habe hier die Möglichkeit eines kommerzialisierten Wettbewerbs geschaffen. Statt sich auf Diskurs einzulassen, könne man sich auch daraus zurück ziehen und ihn ignorieren.

Habeck warb jedoch dafür, die Debatte nicht den Populisten zu überlassen und Dialoge dort zu führen, wo sie noch gemäßigter stattfinden: im direkten Gespräch, von Angesicht zu Angesicht. „Demokratie braucht den Dialog. Er bricht Vorurteile auf. Konsens sei nur durch Streit und Widerspruch möglich. Diktaturen und von ihnen geführte Staaten, Extremisten und Rassisten bevorzugen ein geschlossenes Weltbild. Deshalb sind Humor und Satire wirksam gegen sie, denn sie können über sich selbst nicht lachen“, ermutigte Habeck diese Mittel zu wählen.

Veränderungen, die sich immer schneller vollziehen und damit einhergehende Krisen schaffen Verunsicherung. Dies sei Nährboden für Extremismus, Hass und Hetze gegen andere, ebenso fehlende Aufmerksamkeit oder Anerkennung von Lebensleistung. „Diese Lücken füllen Parteien wie die AfD. Sie negieren den Wandel, besinnen sich auf das, was war und wollen keine Veränderung. Außerdem bieten sie scheinbar einfache Lösungen für komplexe Probleme.“ Dieser Anti-Haltung sollte man sich nicht anschließen, sondern zuversichtlich sein, lautete Habecks abschließender Rat.

https://www.lvz.de/Region/Oschatz/2#anchor

Verhungert und vergast: Krankenmorde an Hubertusburger Patienten
Fast tausend Betroffene während des Naziregimes / Öffentliches Gedenken fehlt

Wermsdorf. Ein dunkles Kapitel der Wermsdorfer Krankenhausgeschichte wurde am Montagabend aufgeschlagen: Auf Einladung des nordsächsischen Grünen-Kreisverbandes sprachen Dr. Boris Böhm von der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein und Psychiatrie-Chefarzt Dr. Peter Grampp über die Morde an psychisch kranken oder geistig behinderten Menschen im Rahmen der NS-Aktion T4. Die Abkürzung bezeichnete die Dienststelle, die die Krankenmorde organisierte.

Über 70 Besucher verfolgten die Vorträge in der Ergotherapie des Fachkrankenhauses. Dabei konnten beide Referenten mit genauer Recherche punkten, denn Meldebögen, Patientenkarteikarten oder medizinische Akten sind zum Teil noch vollständig erhalten. Anhand derer lässt sich nachvollziehen, dass 1940/41 fast eintausend Patienten von Hubertusburg in Tötungsanstalten verlegt und dort umgebracht worden. „Es geht oft die Legende um, dass den Patienten nichts passiert ist, die seien alle nur ’woandershin’ gebracht worden“, gab Boris Böhm eine lange benutzte Auffassung wieder. „Die Menschen kamen aber nicht irgendwohin, sondern in die Gaskammern nach Pirna-Sonnenstein oder Brandenburg an der Havel.“

Mit Beginn der Naziherrschaft habe die Aggression gegenüber Kranken und geistig Behinderten deutlich zugenommen, so Böhm. Für diese Entwicklung sei schon zuvor der Weg bereitet worden, erinnerte Peter Grampp. Schon im 19. Jahrhundert sei die Diskussion über Verhinderung minderwertigen Lebens geführt worden. Und auch wenn bis 1940 keine systematische pharmakologische Tötung und keine Vergasung stattgefunden habe, sei die Hubertusburg „überhaupt nicht ausgenommen von den Krankenmorden“, so Grampp. Vielmehr habe zuvor ein „stilles Sterben“ eingesetzt – schlichtweg durch den Entzug von Nahrung. So habe man allein während des Ersten Weltkrieges 70 bis 80 Prozent der Hubertusburger Patienten schonungslos verhungern lassen. In anderen Heil- und Pflegeanstalten sei das ähnlich gewesen. „Immer wenn die Zeiten schlechter wurden, finden wir eine Übersterblichkeit in der Psychiatrie“, machte er deutlich.

Boris Böhm und seine Mitstreiter stießen bei ihren Recherchen auf einen weiteren schrecklichen Fakt der Krankenhausgeschichte: „Wir wissen von mindestens 120 Männern, die in Hubertusburg und Oschatz zwangssterilisiert worden.“ Bei keinem dieser Fälle auf der Grundlage des Gesetzes zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ habe es ein Einverständnis der Betroffenen gegeben, verweist Peter Grampp auf Akten jener Jahre.

Zwar habe es unter den Ärzten im Wermsdorfer Krankenhaus keine begeisterten Anhänger des Nazi-Systems gegeben, öffentlichen Widerstand aber auch nicht, fasste Grampp zusammen. So habe der damalige Psychiatrie-Chefarzt Weicksel versucht, Anordnungen wie die Rationierung der Lebensmittel für Patienten lange auszusitzen. „1935 führte dann der sächsische Innenminister ein Gespräch mit dem Chefarzt und danach nimmt die Sterblichkeit in der Hubertusburg zu“, weiß Grampp aus alten Akten. Weicksel habe außerdem Krankheit vorgeschützt und versucht, sich in den Ruhestand versetzen zu lassen. Doch Grampp ist überzeugt: „Die Ärzte wussten sehr genau, was passiert.“ Als 1940 die Psychiatrie geräumt wurde, habe auch die Bevölkerung das Verschwinden der Patienten wahrgenommen.

Allein in Pirna-Sonnenstein wurden von Juni 1940 bis August 1941 mindestens 13 720 Männer, Frauen und Kinder ermordet. Die Patienten wurden zum Duschen geschickt und stattdessen durch eingeleitetes Gas getötet, beschrieb Boris Böhm. Anschließend kamen die Leichen in Verbrennungsöfen. Für die T4-Aktion zur „Vernichtung unwerten Lebens“ hatten die Nazis zuvor auch Hubertusburg als Standort im Visier, erklärte Böhm. „Das sollte eine Euthanasieanstalt für Mitteldeutschland werden.“ Aber die Nutzung für das Militär sowie als Lager für Bessarabiendeutsche durchkreuzten diese Pläne. „Trotzdem war die Hubertusburg in starkem Maß von Euthanasie betroffen“, machte er deutlich.

Ein öffentliches Gedenken daran fehle bisher. „Ich finde es absolut bedauerlich, dass Besucher von der Krankenhausgeschichte nichts mitbekommen, sondern nur etwas von der Hubertusburg als Jagdschloss erfahren“, sagte er. Peter Grampp verwies darauf, dass es immerhin in den Klinikfluren von Patienten gestaltete Fliesen gebe, die symbolisch an die ermordeten Kranken erinnern sollen.

„Das ist kein einfaches Thema, aber wir müssen das irgendwann anpacken“, meinte Barbara Scheller, Direktkandidatin der Bündnisgrünen für die bevorstehende Landtagswahl. Sie dankte beiden Rednern für die guten Informationen. Womöglich sei gerade jetzt die richtige Zeit, sich damit zu beschäftigen. „Heute, da viele recht laut rufen, dass manche besser sind als andere.“ Weiter auf Kommentar

Ist die Dahlener Heide „unentdecktes Tafelsilber“? Darüber diskutierten am Montagabend auf Einladung des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Touristiker und Politiker im Schmannewitzer Ferienhotel „Wiesenhof“. Zwar gebe es eine lange Tradition als Feriengebiet, aber dennoch kämen nicht so viele Gästen wie in die Dübener Heide oder zum Elbradweg, so die Ausgangslage. „Wir haben auf gewissen Strecken noch Nachholbedarf“, stellte Moderatorin Barbara Scheller, Landtagskandidatin der Grünen im Wahlkreis 36, fest.

Wertschöpfung für Bevölkerung

Eine Situation, die Rocco Buchta nur zu gut kennt. Er hat den Nationalpark Westhavelland mit aufgebaut, in einer Region, in der vor 25 Jahren nicht besonders viel los war. „Heute ist das Havelland eine der bekanntesten Reiseregionen mit seit Jahren wachsenden Besucherzahlen“, bilanzierte er. Dass man dabei auch immer den Nutzen für die Bevölkerung im Blick haben müsse, unterstrich Thomas Kleppel, Leiter des Naturparks Dübener Heide. „Tourismus ist ein Mittel zum Zweck für die Lebensqualität der Bevölkerung.“ Wenn man Radwege bauen und Gastronomie entwickeln wolle, müsse immer die Frage „Was hilft es den Leuten vor Ort?“ beantwortet werden.

Personal fehlt für Angebote

Claudia Großert hat als Inhaberin des „Wiesenhofs“ langjährige Erfahrung beim Entwickeln von Angeboten für Touristen. Mittlerweile habe man sich am Markt durchgesetzt und viele zufriedene Gäste, doch nun gibt es ein neues, drängendes Problem: „Wir sind an dem Punkt, wo sich alles zurückentwickelt, weil wir die Angebote mit dem vorhandenen Personal nicht mehr aufrecht erhalten können.“ Erste Häuser hätten bereits schließen müssen, weil Personal fehle und man dem Ansturm der Gäste nicht mehr gerecht werden könne. „Wozu soll ich noch Tourismus entwickeln, wenn mir das Personal fehlt?“ brachte sie es auf den Punkt. „Dass Arbeitskräfte fehlen, höre ich auch von Handwerkern oder Dienstleistern“, bestätigte Barbara Scheller.

Jugendliche ohne Abschluss

Gerade in diesem Zusammenhang sei es nicht nachzuvollziehen, dass man das Potenzial der Zuwanderung nicht nutze: „Es ist schade, wenn die Leute in Heimen sitzen, die Wand anstarren und nicht arbeiten dürfen.“ Wolfram Günther, grüner Spitzenkandidat zur Landtagswahl, verwies darauf, dass immerhin acht Prozent der Jugendlichen in Sachsen keinen Abschluss haben. „Das können wir uns schlichtweg nicht leisten“, kritisierte er. Damit auch junge Menschen in ländliche Regionen kommen, hier arbeiten und Verantwortung übernehmen, müssten diese attraktiv sein. Dazu gehöre etwa schnelles Internet und gute Infrastruktur.

Ortsdurchfahrt bleibt Dauerbrenner

Bei letzterem Punkt stöhnten die Schmannewitzer unter den Zuhörern auf. Grund: Seit über 25 Jahren warte man auf die Erneuerung der Ortsdurchfahrt. Von einer Umgehung, die das Heidedorf entlasten könnte, ganz zu schweigen. „Wir brauchen gute Straßen und Radwege, da muss man auch mal in die Natur eingreifen“, so eine Forderung aus dem Publikum. Dagegen wehre man sich gegen den geplanten Bau der Rettungswache in der Wiesenaue und dagegen, dass im Regionalentwicklungsplan die Umgebung als Gebiet für Windräder ausgewiesen ist – beides verschandele die Dahlener Heide und laufe dem Tourismus zuwider.

Diskussion um Windräder

„Wir alle brauchen Strom, das gehört zur Ehrlichkeit dazu“, entgegnete Wolfram Günther. Die Zukunft der Dahlener Heide werde sich nicht daran festmachen, ob hier ein Windrad steht. Aber: „Sie haben ein Recht, bei der Planung genau hinzuschauen“, meinte er mit Blick auf die Beteiligung. „Wir waren uns alle einig, dass im Naturpark Dübener Heide kein Windrad gebaut wird“, blickte Thomas Klepel zurück, „und da die Kommunen ein Mitspracherecht bei der Planung haben, hat das geklappt.“

Mit Naturpark-Idee gescheitert

Mit der Idee, die Dahlener Heide zum Naturpark zu machen, sei man in den 1990er-Jahren „kläglich gescheitert“, musste Karl-Heinz Trudel, Stadtrat aus Schmannewitz, eingestehen. „Damals fehlte das Interesse des Kreises und jemand, der das mit aller Macht vorangetrieben hat.“ Insgesamt sei man touristisch vor 15 Jahren schon einmal besser aufgestellt gewesen. Deutlich besser als heute: „Wir sind bestimmt der einzige Erholungsort, der keinen Spielplatz hat. Da fehlt der Wille der Stadt“, sagte er. Dahlen sei leider eine sehr träge Kommune, beschrieb Claudia Großert ihre Erfahrungen. So würden selbst einfachste Dinge wie zusätzliche Bänke im Ort fehlen, auf denen sich vor allem ältere Gäste, die nicht mehr gut zu Fuß sind, ausruhen könnten.

Dennoch entwickle sich immer wieder Neues in der Dahlener Heide, lobte Uta Schmidt und nannte als Beispiel den Holzweg, der jüngst ausgewiesen wurde. „So etwas finde ich fantastisch.“

Von Jana Brechlin

Wolfram Günther, Spitzenkandidat Bündnis 90 / Die Grünen  in  Sachsen

Barbara Scheller  Direktkandidatin Wahlkreis 36  Bündnis 90 / Die Grünen