Baumfällungen im Altkreis Oschatz

Nach dem Winter liegt wieder nicht nur viel Müll in der Landschaft, es sind auch eine Menge Bäume verschwunden – alte und solche die es noch werden wollten, in privaten Gärten und im öffentlichen Raum.

Einen Aufschrei löste die Fällung der Pappeln an der Döllnitz aus.

Dabei ist dort alles ordentlich abgelaufen: es gibt eine Verkehrssicherungspflicht, die Stadt hat den Landeigentümer aufmerksam gemacht, dieser hat einen Förster und die Untere Naturschutzbehörde zu Rate gezogen. Hätten sie sich an dieser Stelle gegen eine Fällung entschieden (was bei mindestens zwei Pappeln durchaus möglich gewesen wäre, da sie abseit standen), hätte dass schon Mut gebraucht. Wenn wirklich irgendwann mal jemand zu Schaden gekommen wäre, hätte das nach unserer aktuellen Rechtssprechung für die Verantwortlichen große rechtliche Konsequenzen bedeutet. Spätestens an der Stelle wird so ziemlich jeder, der diese Verantwortung trägt, auch ein professioneller Baumgutachter, auf Nummer sicher gehen. Eine Altholzpflege bei der Größe dieser Pappeln hätte vermutlich das Doppelte der Fällungen gekostet.

Pappeln sind Gehölze, die ständig Totholz bilden und auch abwerfen. Ist irgendwer in der langen Zeit, in der sie dort standen, schon mal dort verletzt worden? Sollte man nicht hier ansetzen und einen so rigiden Umgang mit Bäumen überdenken? Für die meisten Menschen sind Bäume scheinbar nur noch Gefahren- und Kostenträger .

Im Umkehrschluss könnte man auch sagen, Autos sind eine viel größere Gefahr. Manchmal bin ich heilfroh, wenn ich unbeschädigt eine Fahrt beende, weil ich vor lauter riskanten Überhölmanövern und Raserei um mich herum die Schutzengel über mir habe sehen können.

Und behaupte jetzt keiner, wir brauchen die Autos – Bäume nicht. Das brauche ich jetzt wohl nicht aufführen, Biologie 1. Klasse.

Es ist also ganz klar unsere Entscheidung, was wichtig ist und was nicht, was schützens-und erhaltenswert und zu pflegen. Diese Botschaft geht an alle, nicht nur Verantwortliche. Es gibt Berechnungsgrundlagen für den Wert alter Bäume. Da ist man ganz schnell bei einem Mittelklassewagen.

In Börln wird so nach und nach die alte Lindenallee an der Ortseinfahrt beseitigt. Vor einigen Jahren radikal gestutzt, wurden jetzt mindestens 6 Linden gefällt. Der übliche Ablauf. Ob man dort so verantwortlich heran gegangen ist wie an der Döllnitzbrücke, weiß ich nicht. Auf jeden Fall war ein Baum ein Winterquartier für Fledermäuse,wie am Kot zu sehen ist. Die Tiere dürften die Fällung nicht überlebt haben, da sie eine Störung in ihrer Winterruhe schwer verkraften. Sie bedeutet zu viel Energieverlust.

Verstehen Sie nun, warum ich besonders die alten Bäume betone? Sie haben in ihrer langen Lebenszeit noch für viele andere Lebewesen eine Funktion gehabt – nicht nur für uns, die über sie entscheiden.

Fährt man auf unseren Straßen entlang, sind viele alte, typisch sächsische Obstbaumalleen so nach und nach verschwunden. Zu groß war die Gefahr, die von ihnen ausging. An manchen Stellen sind neue Straßenbäume gepflanzt worden. Wenn man aussteigt und sich die Bäume von allen Seiten betrachtet, sieht man, dass sie schon in ihrem jugendlichen Alter enorme Schädigungen am Stamm aufweisen. Auch das ist für mich ein klarer Ausdruck dafür, dass wir an unserer Achtung gegenüber  den Bäumen und damit der Natur arbeiten müssen. Die Bäume brauchen uns nicht.

Es gibt seit September 2015 von den Grünen einen Gesetzentwurf, der die Handhabung zum Schutz des Baumbestandes neu regeln soll (Gesetz zum Schutz eines nachhaltigen Baumbestandes). Dieser legt viel Wert auf die Entscheidungsfreiheit der Kommunen, wie sie mit dem Thema umgehen. Er setzt Rahmenbedingungen für einen verantwortlichen Umgang. Und einzelne Baumarten wie Pappeln u.a. als nicht erhaltenswürdig einzustufen, vermeidet er ganz.