….  Mehr Plus-Bus-Linien und neue Haltestellen

…. MDV-Chef Steffen Lehmann stellt bei Grünen-Diskussion Nahverkehrsmodell der Leipziger Region vor

… Von Kathrin Kabelitz…Bad Düben. Die Diskussion um Klimawandel, Feinstaub und Dieselfahrverbote bewegt die Menschen. Angesichts voller Straßen und zugeparkter Gehwege wird in vielen Städten der Ruf nach einer „Verkehrswende“ lauter. Wer auf dem Land lebt, kann solche Überlegungen oft nur schwer nachvollziehenohne Auto geht hier nichts. Oder doch, gerade im Hinblick darauf, dass das Leben auf dem Land wieder attraktiver werden soll? In Bad Düben diskutierten dazu auf Einladung der Landtagsfraktion Bündnis 90/Grüne Steffen Lehmann, Geschäftsführer Mitteldeutscher Verkehrsverbund, Gerd Probst, Verkehrswirtschaftler, sowie die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meier. „Wer in Bad Düben lebt, weiß, dass die Verkehrsanbindung nicht so gut ist wie die in den Großstädten“, sagte Katja Meier. Kein Anschluss ans Schienennetz, fehlende Verbindungen gerade in den Abendstunden, die Besucher des Leipziger Abend- oder Nachtlebens dann doch wieder aufs Auto umsteigen lässt, fehlende Querverbindungen zwischen kleineren Orten.

„Wir brauchen ganz klare Forderungen, wo will das Land in puncto MDV hin“, sagte Katja Meier. Der Freistaat arbeitet an Strategien für einen Ausbau des Öffentlichen Personahverkehrs, der MDV hat ebenso seine Strategie bis 2025 festgelegt, dabei mehrere Szenarien entworfen. „Von ,Wir überlassen alles dem Auto’ bis ,Freifahrt für alle’ war alles dabei“, so Lehmann. Die nun präferierte Strategie diene den Menschen, die hier leben: „Wir brauchen Ehrlichkeit zum Finanzierungsbedarf zum Nahverkehr, wir wollen das Angebot halten und ausbauen, über Bus, Zug und Straßenbahn den Zugang zum Nahverkehr deutlich vereinfachen.“ Benötigt werde zudem ein unbedingter Paradigmenwechsel in der Erschließung der Landkreise. „Allein ein sicherer Schülerverkehr oder allein ein S-Bahn-Verkehr in Delitzsch und Eilenburg reicht nicht aus, wir wollen mehr erreichen. Bis auf kleinste Gemeinden muss von Montag bis Sonntag die Erreichbarkeit im Nahverkehr gewährleistet sein.“ Begonnen wurde bereits mit verschiedenen Maßnahmen. „Wir haben den Plus-Bus eingeführt. Heißt: Jede Stunde, immer zur gleichen Minute fährt der Bus immer den gleichen Linienweg, der Umstieg zum Zug ist innerhalb von zehn Minuten möglich. Am Wochenende sind es mindestens vier Fahrten pro Tag.“ Trotz allgemein rückläufiger Zahlen hat der Plus-Bus in den letzten fünf Jahren 15 Prozent mehr Zulauf erfahren. Das Ergebnis freut Lehmann, zufrieden machen könne es aber noch nicht.

Im Landkreis Leipzig geht der MDV mit einem neuen Konzept schon weiter. Dieses setze Anreize, dass Menschen in der Region bleiben, Fachkräfte zurückkommen, Schüler außerhalb der Schulzeiten Freizeitangebote nutzen können, die Anbindung an Oberzentren ist gegeben und „wir sorgen dafür, dass von Jung bis Alt alle mobiler werden.“ Vier Maßnahmen gibt es: Plus- und Taktbusse werden konsequent fortgeführt, Busse treffen sich an Knotenpunkten, somit gibt es kurze Umsteigezeiten und die Chance, in verschiedene Richtungen zu fahren. Die Anzahl der Haltestellen wurde um ein Drittel erhöht – rund 100 neue Haltestellen wurden unkompliziert ohne große Ausbaumaßnahmen geschaffen. Die Entfernung zu den Haltestellen verkürzt sich enorm. Zudem wurden Linienwege vereinfacht, indem Einbahnstraßen gedreht, Parkplätze weggenommen wurden, Einkaufszentren, Arztpraxen, Wohngebiete, die bisher nicht angefahren wurden, werden es jetzt. All das ging, weil der MDV auf „kooperative Behörden und mutige Bürgermeister“ getroffen sei. Mutig deshalb, weil für die Umsetzung auch unpopuläre Entscheidungen getroffen wurden. Die Erfahrungen sind positiv: In einem Jahr 15 Prozent mehr Fahrgäste. Der Plan sei, dies auch in anderen Regionen umzusetzen. Für Nordsachsen gibt es bereits Pläne, 15 bis 20 Linien, die jetzt schon da sind, aufzuwerten. Zudem sind weitere Plus-Bus und Takt-Bus-Linien geplant, Gespräche mit dem Landkreis, der sich dazu offen zeigt, gäbe es bereits.