Gemeinsame Exkursion durch den Leipziger Auenwald. Foto: GFSN

Mitten im Leipziger Auwald kamen am Dienstagabend ca. 35 Waldinteressierte zusammen, um in einer gemeinsamen Exkursion durch den Wald Herausforderungen des Waldumbaus zu diskutieren.

Der umweltpolitische Sprecher der GRÜNEN Landesfraktion, Wolfram Günther hatte den Forstdirektor Andreas Padberg, den Revierleiter des Forstbezirkes Leipzig, Carsten Pitsch (beide Sachsenforst) sowie René Sievert vom Naturschutzbund (NABU) Leipzig als gebietskundige Referenten eingeladen.
Hartholzauen, zu denen der Leipziger Auwald zählt, sind wertvolle und schützenswerte Lebensraumtypen, da sie nicht nur selten, sondern auch besonders artenreich sind. Im FFH-Gebiet „Leipziger Auensystem“ machen sie mehr als 25% der Fläche aus. Die Hauptbaumarten sind die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), die Stieleiche (Quercus robur) und verschiedene Ulmenarten.

Während der Vorstellung des gerade 10 Jahre bestehenden Forstbezirkes wurde deutlich, dass die Bewirtschaftung mit der Nähe zur Stadt Leipzig besondere Herausforderungen bereithält. Die Nutzungsansprüche überlagern sich stark und unterliegen einer besonderen Aufmerksamkeit durch die Bevölkerung. So sind die 650 ha im Bereich der Nordwestaue südlich von Schkeuditz Naturschutz-, FFH-, Landschaftsschutz und Vogelschutzgebiet, zugleich aber auch Naherholungsareal für die Einwohner*innen Leipzigs. Und dabei ist nicht zu vergessen, dass diese Wälder vom Staatsbetrieb Sachsenforst außerdem bewirtschaftet werden.

In der Vergangenheit gab es hier viele Fichtenreinkulturen, die aber, wie in vielen Wäldern in Sachsen nicht standortgerecht sind. Die Mitarbeiter des Sachsenforstes Leipzig setzen sich deshalb für den Waldumbau ein, um die Artenzusammensetzung sukzessive standortspezifisch anzupassen.
Waldumbau bedeutet die Anpassung des Waldes an die zu erwartenden Veränderungen durch den Klimawandel mithilfe von natürlichen Strukturen und Prozessen. Dafür werden Bäume gezielt gefällt und nachgepflanzt.

Das anvisierte Artenspektrum ist dabei nicht zufällig gwählt, denn Esche, Ulme und Eiche gehören seit je her mit ihren Bedürfnissen in die Hartholzaue.

Die Vertreter des Sachsenforst erklärten den Naturschutzgedanken, der das Ziel verfolgt, das man anstelle die Flächen zwischen Wirtschaft und Naturschutz zu separieren integrativen Natur- und Bodenschutz betreibt.

Das wird bspw. mit integrierten Totholzinseln in unterschiedlichen Zerfallsphasen und somit besonderen Biotopbaumgruppen initiiert, die Lebensraum für vielfältige Arten bieten. Diese „Inseln“ sind im gesamten Revier zu finden, was die Bewirtschaftungs- und Ertragsfläche einschränkt und nicht selbstverständlich ist.

In der Diskussion mit den Teilnehmenden wurde deutlich, wie kritisch die Bevölkerung die Entwicklung des Auwaldes begleitet und daraus einen Leistungsanspruch generiert wird. Eine schonende und nachhaltige Bewirtschaftung muss sich am Erholungs- und Eigenwert des Waldes orientieren.

René Sievert vom NABU legte anschließend die Aspekte des Hochwasserschutzes dar. Regelmäßige Überflutungen fehlen heutzutage, weshalb die Vegetation kaum noch an die ursprünglichen natürlichen Verhältnisse angepasst ist. Dem Nabu liegt besonders der Erhalt und die Wiederherstellung der Auen am Herzen. Das Projekt „Lebendige Luppe“ soll einen dazu Beitrag leisten, die Qualität der Hartholzaue wieder zu erhöhen, die Dynamik der Gewässer wieder zuzulassen und das Verständnis in der Bevölkerung zu vergrößern.

Alle Referente betonten dabei die gute Zusammenarbeit zwischen Nabu und dem Forstbezirk Leipzig. Die Nutzungsansprüche sollen gleichwertig gewichtet werden, die Bewirtschaftung dabei rücksichtsvoll und nachhaltig passieren. Nur ein Hand in Hand gehen mit Partnernetzwerken ermöglicht es, diesen vielseitigen Raum zu schützen und als wertvolles Kulturgut zu bewahren.