Steinschüttungen an der Elbe und sinkender Wasserstand in Altarmen – 2 Seiten einer Medaille

Grube Döbern und die Altarme der Elbe erhalten  – ´Urzustand´ nur durch eine Biosphärenreservatserweiterung

In der letzten Woche berichtete die TZ über die Austrocknung der alten Elbe bei Döbern und sinkende Grundwasserspiegel. Wichtigste Ursache sei, dass sich die Elbe immer tiefer in ihr Flussbett „eingräbt“. Dabei wurde durch den Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, aber auch durch den Vertreter des Anglerverbandes behauptet, dass dies ein unabänderlicher natürlicher Prozess ist. Das stimmt aber nur zum kleineren Teil: weit größer sind die vom Menschen gemachten Einflüsse: nämlich das Einzwängen der Flüsse in ein starres gebautes Bett.

Mitnichten ist der sinkende Grundwasserspiegel ein Laune der Natur, wie er auch zur Austrocknung der Grube Döbern führte.
Natürlich spielen lange Trockenphasen dort mit hinein, aber ursächlich an dem sinkenden Grundwasserstand sind die Ufersicherungen der Elbe mit Steinschüttungen wie gerade bei Döbern. Es kommt dabei zu einer höheren Fließgeschwindigkeit und diese führt wiederum dazu, dass die Elbe sich in bestimmten Bereichen noch mehr eintieft.  Am Ende sinkt im gesamten Umland auch der Grundwasserstand.

Die Aussage des Schifffahrtsamtes, dass das befestigte Ufer „der „Urzustand“ sei, ist selbstredend falsch: Der Urzustand ist das unbefestigte, im Laufe der Zeit veränderliche Ufer. Und das wäre – mit Ausnahme einiger Flussabschnitte, die von der anliegenden Bebauung sensibel sind, auch der bessere Zustand – für die Natur, die Staatskasse, den strategischen Hochwasserschutz und für eine schönere Flusslandschaft. Wir fordern die Landesregierung und das Wasser- und Schiffahrtsamt auf, endlich konsequent umzudenken und den Fluss als Naturraum zu begreifen, der seine Uferlinie an vielen Stellen auch mal  auf natürlichem Wege verändern darf.


Die Elbe als Bundeswasserstraße mit einem Behördenapparat ist nicht vor den Fehlern an Wasserstraßen in den alten Bundesländer gefeit.  Gegensteuern könnte hier nur die Zielsetzung Biosphärenresevatserweiterung, wie von Bündnis 90 /Die Grünen, BUND, NaBu -Vertretern bei einer Veranstaltung im Januar gefordert. Mit diesem Schutz können solche Altarmrefugien erhalten werden, was in allen anderen Elbanliegerbundesländern schon praktiziert wird.

In Sachsen liegen die Prioritäten aber anders und man scheint immer noch an eine Sinnhaftigkeit des Ausbaus der Elbe für ganzjährige Schiffbarkeit zu glauben und zu arbeiten. Nur allein der Bürger kann hier für andere Prioritätensetzungen sorgen. Tausende Elberadwegbesucher tun dies schon jedes Jahr.

Malte Reupert KV Nordsachsen Bündnis 90 / die Grünen