Peter Hettlich steht als überparteilicher Landratskandidat zur Verfügung

Zur möglichen Kandidatur von Peter Hettlich als gemeinsamem Kandidat von Linken, Grünen und SPD traf sich gestern der Kreisvorstand Nordsachsen von Bündnis 909/Die Grünen in Taucha.

Die Kreissprecher Barbara Scheller und Jens Rühling nehmen zur aktuellen Lage wie folgt Stellung:

„Wir freuen uns, dass Peter Hettlich am Wochenende seine Bereitschaft erklärt hat, als gemeinsamer Kandidat von Linken, Grünen und der SPD für das Amt des Landrats zu kandidieren. Schon auf der Mitgliederversammlung am 6. Januar hatten unsere Mitglieder ihre grundsätzliche Zustimmung für Gespräche mit der Linken und der SPD im Hinblick auf eine gemeinsame Kandidatur gegeben.

Wir sehen viele inhaltliche Gemeinsamkeiten mit der Linken, würden uns aber auch freuen, wenn die SPD nach Abschluss ihrer internen Abstimmungen das Bündnis unterstützt. Wir stehen aber auch zu einem Zweierbündnis mit der Linken, denn Demokratie lebt vom Angebot mehrerer Kandidatinnen und Kandidaten und einem fairen Wettstreit.

Wir uns sicher, mit Peter Hettlich einen erfahrenen, kompetenten und ernsthaften Bewerber für das Amt des Landrats gefunden zu haben und freuen uns auf konstruktive und spannende Gespräche in den kommenden Wochen.“

25 Jahre CDU-Politik sind genug für den Landkreis Nordsachsen

Deshalb werben wir Grünen  dafür, dass es einen gemeinsamen überparteilichen Kandidaten gibt, der die Mehrheiten im Kreistag repräsentiert. Damit wird es eine echte Alternative für die Wahl zum Landrat geben.

Die Bilanz der Entwicklung des Landkreises Nordsachsen ist geprägt von der Abhängigkeit des Landkreises von der Sächsischen Landespolitik.
25 Jahre CDU-Politik hat einen Landkreis zusammengeführt, der sich von unten nie gebildet hätte. Der Landkreis hängt am Tropf der Staatsregierung. Das Duo Kupfer & Czupalla hat sich für Kai Emanuel entschieden und dessen Empfehlung als Landratskandidat durch den CDU-Vorstand  vorgeschlagen. Wenn die CDU- Basis den Vorschlag des Vorstandes bestätigt, wird dieser ein Garant dafür sein, dass sich der Politikstil der CDU nicht ändert. Im Landkreis möchte die CDU die Politik des Herrn Czupalla unter anderem Namen fortsetzen.

Der „Fall Mügeln“ wird in Mügeln thematisiert.

böll mügeln q6.01.2015 19.00 Uhr – 20.30 Uhr Saal Erdgeschoss Schloss Ruhetal, Schlosstr. 17, Mügeln

Stiftung Weiterdenken lädt ein:
Britta Schelleberg berichtet über ihr Buch: “ Mügeln: Die Entwicklung rassistischer Hegemonien und die Ausbreitung der Neonazis“ zu den Vorfällen 2007 beim Stadtfest – mit Monika Lazar, MdB der Grünen

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Ged(e)anken zum 9.11., einem deutschen Schicksalstag

Der 9.11. ist ein Schicksalstag für die Deutschen. Es ist der Tag der Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918, der Tag, an dem Hitler und Ludendorff in Bayern dass erste Mal versuchten, durch einen Putsch die Macht an sich zu reißen, der Tag der Reichprogromnacht 1938, als die wahnsinnige Ideologie des Nationalsozialismus die Deutschen schon fest im Griff hatte, und es ist der Tag des Mauerfalls 1989. In diesem Jahr feiern wir das 25. Jubliläum und können berechtigt stolz darauf sein, dass damals alles friedlich verlief. Die verlegten Stolpersteine als Erinnerung an ermordete Juden treten in den Hintergrund.

Denn welches Volk will nicht stolz auf sich sein?

Im Ausland wurde ich darauf angespochen – was seid ihr Deutschen für ein Volk, dermaßen zerrissen in der eigenen Geschichte.So viel Heldenmut, kluge, weltweit umjubelte Köpfe wie Goethe oder Beethoven und so viel Feigheit, Niedertracht, Gewalt, Kleinbürgertum und Angst.

An die Zeit der Nationalsozialisten will niemand erinnert werden. Zu viel Scham und Schuld, zu viele traumatische Erinnerungen, zu viel Angst vor neuen Repressalien durch KGB und Stasi.

Doch es gab auch im Nationalsozialismus Zivilcourage. Da wurden jüdische Menschen und polnische Zwangsarbeiter gerettet. Niemand sprach darüber. Doch von dieser Zivilcourage zu erfahren, ist wichtig für uns als deutsches Volk. Wir müssen die wichtigen Fragen stellen an die, die noch da sind.

Uta Schmidt (Grüne Stadträtin in Oschatz)

Nehmen wir uns diese verschwiegenen Helden zum Vorbild und lassen endlich den Teil des verhängnisvollen ´deutschen´ Denkens und Handelns, der uns so prägt und über Generationen verfolgt, sein

.

Lassen wir die neuen Fremden, die Asylbewerber in unseren Orten, als Menschen hier ankommen. Wenigstes freundlich sein, diese Zivilcourage sollte in jedem von uns stecken.

Buchtipp

Dr. Britta Schellenberg: ´Mügeln: Die Entwicklung rassistischer Hegemonien und die Ausbreitung der Neonazis´

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Die Schrift, die letzte Woche im Döbelner Treibhaus e.V. vorgestellt wurde und eine genaue Aufklärung der rassistischen Ereignisse vor 7 Jahren beim Stadtfest beinhaltet, kann jetzt ausgeliehen werden.

Der Kreisverband Bündnis 90 / die Grünen stellte je 3 Exemplare der Bibliothek Mügeln, Herrn Naumann, der Buchhandlung Varius und der Kirchgemeinde Mügeln zur Verfügung. Die Buchhandlung Varius nimmt auch Bestellungen zum käuflichen Erwerb entgegen. Außerdem kann man sie in Oschatz im E-Werk bei Rico Weise ausleihen.

Das Buch trägt dazu bei, Zivilcourage zu entwickeln – indem es am Beispiel Mügeln aufklärt, wie Vertuschung, Verharmlosung und Diffamierung den demokratischen Handlungsspielraum verkleinern.

Kreisvorstandssitzung in Oschatz

Am Freitag fondest um 19 Uhr die Kreisvorstandssitzung im Oschatzer E-Werk statt.

Themen:

Auswertung Landtagswahlkampf und künftige Arbeit in der Region.

Delegiertentreffen für die Landesdelegierten der LDK am Samstag in Leipzig.

Wir sagen Danke

Wir sagen „Danke!“ an alle Wählerinnen und Wähler, die uns bei der Landtagswahl ihr Vertrauen geschenkt haben. Ihre Stimme ist unser Auftrag, in den kommenden fünf Jahren weiter für mehr Klimaschutz, für eine wirkliche Energiewende, für mehr Bildungsgerechtigkeit und für weitere Zukunftschancen Sachsens im Landtag zu kämpfen.

Denn es ist möglich – mit Ihrer Unterstützung.

Film: Blut muss fließen – der Bericht

Über 120 Besucher sehen Rechtsrock-Dokumentation „BLUT MUSS FLIEßEN“ in Eilenburg und Oschatz – ein Bericht

In den späten Nachmittagsstunden fanden am 21. Januar 2014 zahlreiche Besucherinnen und Besucher den Weg ins Jugendhaus VI, um die Rechtsrock-Dokumentation „BLUT MUSS FLIEßEN“ mit Filmaufnahmen von Rechtsrock-Konzerten in Sachsen, Deutschland und Europa zu sehen, die der Journalist Thomas Kuban über Jahre hinweg unter hohem persönlichen Risiko undercover gedreht hatte. Auch bei der anschließenden Filmvorführung in der Alten Schaltwarte des Oschatzer E-Werks war der Saal trotz des Wintereinbruchs gefüllt.

Im Anschluss an beide Filmvorführungen konnten die 120 Gäste den anwesenden Filmemacher Peter Ohlendorf zum Hintergrund der Entstehung des Films und zu den Schwierigkeiten, ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, befragen. Miro Jennerjahn gab Auskunft über die Entwicklung rechtsextremer Propaganda und Gewalt im Freistaat Sachsen unter besonderer Berücksichtigung seiner Erfahrungen im NSU-Untersuchungsausschuss. Für das Wurzener Netzwerk für Demokratische Kultur saß zudem Stephan Meister mit auf dem Podium und konnte von seinen Erfahrungen im Engagement gegen Rechtsextremismus im ländlichen Raum Sachsens berichten. Seiner Aussage nach fanden im Jahr 2012 in Landkreis Nordsachsen fast an jedem zweiten Wochenende Rechtsrock-Konzerte statt.

Im Mittelpunkt beider Diskussionen stand die Frage, welche Möglichkeiten die Menschen vor Ort haben, um rechte Hasspropaganda und Nazi-Aktivismus entgegenzutreten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sprachen dem Journalisten Thomas Kuban und dem Filmemacher Peter Ohlendorf an beiden Orten ihren Respekt für das couragierte Filmprojekt aus. Auf Überraschung und Unverständnis stieß der Bericht Ohlendorfs über die jahrelang vergebliche Suche nach Kinoverleihen und Fernseh-Programmverantwortlichen, die jedoch einer Ausstrahlung des Films ablehnend gegenüber standen. Seit der Uraufführung im Rahmen der Berlinale 2012 tourt der Filmemacher mit der Dokumentation durch Deutschland und zeigt sie in Kooperation mit lokalen Partnern, wobei er immer wieder auf großes Publikumsinteresse stößt.

Die beiden Veranstaltungen bildeten den Auftakt einer zweiten Veranstaltungsreihe des Landtagsabgeordneten Miro Jennerjahn und des Filmemachers Peter Ohlendorf durch sächsische Städte, nachdem sie den Film anfang 2013 bereits in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Bautzen, Wurzen, Meißen und Döbeln auf die Leinwand gebracht hatten. Für Februar ist in Sachsen eine Reihe weiterer Aufführungen mit anschließenden Diskussionen geplant.
Hintergrund:
Gerade junge Menschen werden mit Musik an die rechtsextreme Szene herangeführt und dort radikalisiert, Nazimusik und Nazikonzerte sorgen für Zusammenhalt unter Rechtsextremen. Daher wäre es falsch, Nazimusik leichtfertig als Jugendkultur neben anderen abzutun, aus denen die Betroffenen mit zunehmenden Alter ‚herauswachsen‘. Darüber hinaus hat sich dieser Bereich auch zu einem blühenden Geschäft entwickelt: Allein in Sachsen wird der Umsatz der Musik- und Merchandisingversandhandel auf ca. 3,5 Mio € im Jahr geschätzt. Der Verfassungsschutz schätzt zudem, dass bei sächsischen Konzerten im Jahr 2011 80.000-100.000 € eingenommen wurden.

Der Journalist Thomas Kuban und der Filmemacher Peter Ohlendorf haben mit hohem Risiko in ihrem Film ‚Blut muss Fließen‘ mit versteckter Kamera gefilmt, was bei Nazikonzerten in Sachsen, Deutschland und im Ausland hinter verschlossenen Türen geschieht. Die Bilder dokumentieren Hass, Gewaltphantasien und Nazipropaganda als zentrale Merkmale der rechten Szene.

Grüne in Gröppendorf anerkannt

In einem Leserbrief fasst Volkmar Hoßbach den erfolgreichen Kampf der Gröppendorfer Bürger gegen eine 100 000er Junghennen aufzuchtanlage zusammen. Der Artikel macht Mut Missstände aufzuzeigen und sich als Bürger für die Beseitigung dieser Stark zu machen. Es ist immer sinnvoll sich frühzeitig mit geplanten Vorhaben auseinanderzusetzen, um noch den Bürgerwillen einfliesen zu lassen. Wir Grünen stehen grundsätzlich für die besere Beteiligung von Bürgern bei Bauvorhaben.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Erfolgreicher Protest soll Mut machen

Zum Beitrag „Protest beendet – Plakate weg“ vom 7. September 2013:

Als Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Gröppendorf möchte ich zu diesem Artikel einige Anmerkungen machen. Die Entfernung der Plakate war für uns nur eine formale Sache. Wesentlicher ist, dass es ein kleines Dorf geschafft hat, die Errichtung einer Massentierhaltungsanlage in unmittelbarer Ortsnähe mit all den negativen Folgen zu verhindern.
Wir konnten damit das vielleicht schönste Stück intakter Natur mit Blick zum Collm in Gröppendorf erhalten. Und es gibt wenige Beispiele in Deutschland, wo es betroffenen Bürgern gelungen ist, sich erfolgreich den Profitinteressen weltweit agierender Konzerne entgegen zu stellen.
Nach zwei Jahren unermüdlichen Kampfes ist man sensibel für das Thema Massentierhaltung geworden.
Wir sollten in Gröppendorf ein Plakat stehen lassen „Tierfabriken machen krank“.
Denn diese Aussage wird immer aktueller. Die furchtbaren Lebensbedingungen der Tiere in der Massentierhaltung erfordern zwangsläufig einen hohen Einsatz von Antibiotika, der wiederum zu einem immer stärkeren Auftreten multiresistenter Keime führt. Diese Keime, die unsere
Gesundheit zunehmend gefährden, finden wir dann in der Umwelt und in unseren Nahrungsmitteln. Das sollten wir nicht vergessen und immer wieder darauf aufmerksam machen.
Wir möchten mit unserer erfolgreichen Protestbewegung anderen Mut machen, dass es sich in unserem Land noch lohnt, sich einzumischen und Dinge beim Namen zu nennen. Sehr wichtig ist es, auf fachlich fundierter Basis sachlich zu argumentieren, die betroffenen Menschen einzubeziehen, Ihnen Mut zu machen und die Probleme in breiter Öffentlichkeit konsequent darzustellen. Wir haben im Gemeinderat Wermsdorf immer wieder unsere Proteste vorgetragen, wir haben es geschafft, dass das Fernsehen des MDR berichtet hat, wir können uns bei der OAZ bedanken, die unsere Aktionen begleitet hat und bei den vielen, die uns zur Seite gestanden haben. Unserer ganz besonderer Dank gilt der Vorsitzenden des Ortschaftsrates in der Gemeinde Wermsdorf, Frau Barbara Scheller, die von Anfang an immer für uns da war.
Volker Hoßbach, Sprecher der
Bürgerinitiative Gröppendorf

Jugendopposition in der DDR und in Schildau

Gegen atomare Gefahr in Börln

Erinnerungen an die Jugendopposition in der DDR anhand des geplanten Kernkraftwerkes

Oschatz/Börln.

Sie haben ein großes Risiko auf sich genommen, waren mutig und bereit, Zustände in der DDR zu ändern. Gemeint sind die damals meist jungen Menschen, die im Juni 1989 in Schwarzer Kater gegen das geplante Kernkraftwerk (KKW), das in der Nähe des kleinen Ortes gebaut werden sollte, offen und mit Plakaten protestierten. Von GABI LIEBEGALL

Daran erinnerte am Dienstagabend eine Veranstaltung im E-Werk, initiiert von Uta Schmidt von Bündnis 90/Die Grünen. Gekommen waren Augenzeugen, aber auch Pennäler, die diese Zeit nur aus Erzählungen von den Eltern oder Großeltern kennen.

Uta Schmidt hatte zwei Personen eingeladen, die diesen Tag bei Börln miterlebt und mitgestaltet haben: der ehemalige Wermsdorfer Pfarrer Bernd Oehler und der Schildauer Bernd Brandtner, Direktkandidat der Grünen für die Bundestagswahlen.

 

Bernd Oehler, in Crimmitzschau geboren, spürte während seines Studiums in Leipzig, „wie man die Umwelt knechten kann“. Die Stadt habe fürchterlich gestunken. Schnell sei ihm klar gewesen: „Wir müssen etwas tun!“ Immer mehr junge Menschen seien zu dieser Erkenntnis gekommen. Oehler berichtete auch, dass er mit damals gerade einmal 29 Jahren sein Testament seinen Eltern übergeben hat, weil niemand wusste, wohin die Entwicklung geht. Er verdeutlichte vor allem, dass es ein Unterschied war, sich im Juni 1989 den DDR-Machthabern entgegen zu stellen oder im November. Immerhin habe es im Juni noch keine großen Protestbewegungen gegeben.

Bernd Brandtner hatte für diese Veranstaltung Fotos und schriftliche Dokumente mitgebracht. Seine Erzählungen, wie der geplante Gottesdienst an einem Sonntag im Juni 1989 in Börln organisiert wurde, vermittelte so manchem Anwesenden eine Ahnung vom damaligen Gänsehaut-Gefühl. Es war der Weltumwelttag und lief unter dem Motto: „Mobil ohne Auto“. Brandtner erzählte, wie er Teilnehmer durch den Wald lotste, und wie die Oppositionellen beobachtet wurden. Im Ort sei plötzlich überall Halteverbot gewesen. Gekommen seien zum Umweltgottesdienst trotzdem rund 800 Leute. Aber Angst sei immer dabei gewesen.

Unmittelbar vor der Börlner Aktion organisierte Brandtner ein Jugendcamp, an dem sich rund 100 junge Menschen beteiligten. Ihr Motto: „Außenseiter und wie weiter?“ „Wir standen ständig unter Beobachtung. Uns überholte ein schwarzer Lada und kam wieder zurück. Am Waldrand stand ein Trabi, und zwei Männer lösten Kreuzworträtsel. Auf dem Dach des Autos war eine große Antenne“, erzählte er. Später sei heraus gekommen, dass sich der Einsatzstab im Börlner Sportlerheim eingerichtet hatte.

Anschaulich sprach darüber Brandtner, wie sich die Umweltopposition formierte. So sei mit Blaupapier und Matrize gearbeitet worden, und zwar mit Muskelkraft. Entsprechend lange habe es gedauert, bis die kleinen Plakate oder Broschüren erstellt gewesen seien. „Die haben wir damals von Greifswald sogar bis Prag in Umlauf gebracht.“

Hartmut Zehrfeld aus Meltewitz sprach über seine Erfahrungen. Damals bekam er als Technischer Leiter in der LPG die Unterlagen für die geophysikalischen Untersuchungen in die Hand. „Wir haben mit einem Brief an den damaligen Ministerpräsidenten Modrow auf uns aufmerksam gemacht, als wir mitbekamen, was hier passieren soll.“

Auch der ehemalige Schmannewitzer Pfarrer Gerhard Hemmann erinnerte sich. „Börln glich einer Festung. Die Bewohner hatten ihre Hoftore geöffnet, falls doch jemand mit dem Auto kam, konnten sie es privat abstellen. Insgesamt gab es in der Bevölkerung aber wenig Resonanz“, so Hemmann. Dafür seien Aktivisten aus Leipzig gekommen.

Barbara Scheller, Stellvertreterin der Landessprecher und Sprecherin des Kreisverbandes Nordsachsen von Bündnis 90/Grüne, konnte eigene Erfahrungen beitragen: „Ich musste mit meiner asthmakranken Tochter nach Leipzig zum Arzt, um ein bestimmtes Medikament zu bekommen. Wir konnten das Rezept in Leipzig nicht einmal einlösen, weil sie in der Stadt nur schwer atmen konnte. Wir mussten so schnell wie möglich nach Hause.“

Die eineinhalb Stunden zu diesem Thema vergingen wie im Flug. Überwiegend war es mucksmäuschenstill. Die anwesenden Abiturienten hörten aufmerksam zu, darunter Michael und Thomas Roßberg aus Bortewitz. Sie zeigten sich beeindruckt und gaben zu, das alles erst einmal verarbeiten zu müssen.

Als MDR-Reporter war Duy Tran mit Kollegen des Sachsenspiegels gekommen. Viele kennen den jungen Mann als „Wetterfrosch“ beim Fernsehen. „Das war nur eine Vertretung für eine Kollegin, die ein Baby bekommen hat“, sagte er gegenüber der OAZ. Nunmehr arbeite er für den Sachsenspiegel.